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Welche medizinische Konsequenzen diese Intensivierung
hätte, beschreibt Univ.-Prof. Dr. Gabriele Moser in ihrem Gutachten: „...
Immer mehr Erkrankungen werden durch Intensivierung und Verschiebung von
Arbeitszeit in die späteren Abendstunden durch Schlafstörungen mit verursacht. ...
Auch hier sind Entspannung und Ruhephasen tagsüber, das Wiederfinden des
eigenen Rhythmus und des inneren Gleichgewichts enorm wichtig …“ Medizinisch - psychosomatisches Gutachten
zur Verordnung 2008/06/03-27/13-16 des Stadtrates zur Verzögerung der Zeit:
Nehmen Sie sich Zeit - verbindliche Siesta im Juni 2008 in der AugartenStadt Univ.-Prof. Dr. Gabriele Moser MACHT ARBEIT KRANK?
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Zur Fragestellung, inwieweit Mittagsschlaf, Siesta genannt, auch aus
medizinischer
Sicht als Verordnung sinnvoll ist, wurden bisher publizierte Studien mit den
Schlüsselwörtern „Siesta and health” in der medizinischen Datenbank MEDLINE
gesucht und beurteilt. Die Siesta wurde in mehren epidemiologischen Studien an Gesunden
untersucht (Trichopoulos 1987,
Kalandidi 1992, Cheng 2000). Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Abhalten
eines Mittagsschlafes und einem niedrigeren Risiko an einer
Herzgefäßerkrankung (Koronaren Herzkrankheit) zu erkranken oder sterben. Der
Zusammenhang wurde dort häufiger untersucht, wo die Siesta auch
gesellschaftlich und kulturell anerkannt und angewandt wird. In den letzten
Jahren tauchten aber auch wissenschaftliche Forschungsergebnisse auf, die
teilweise das Gegenteil, also eine höhere Sterblichkeitsrate bei Personen
zeigten, die tagsüber längere Schlafphasen aufweisen. Bei genauer Analyse
zeigt sich aber, dass in diesen epidemiologischen Studien längerer Schlaf
während des Tages aufgrund eines erhöhten Schlafbedarfs bei depressiven
Menschen bzw. bei solchen mit Schlafstörungen mit Siesta vermischt wurde. Zur weiteren Aufklärung dieses Widerspruchs zeigte eine deutsche
Studie (Stang 2007), dass insbesondere die Menschen, die am Tage lange
schlafen, auch häufiger eine depressive Stimmung mit allgemein schlechterem
Gesundheitszustand aufweisen, und deshalb ein höheres Herzkrankheitsrisiko
haben. Daher die logische Schlussfolgerung: wenn die untersuchte Population
nicht auf deren Stimmung (depressiv oder nicht) untersucht wird, ergeben sich
widersprüchliche Ergebnisse zur Frage, ob Mittagsschlaf nun
gesundheitsfördernd ist oder mit einem höheren Risiko für einen Herzinfarkt
einhergeht. Denn depressive Menschen, die tagsüber häufiger länger schlafen,
haben ein höheres Herzinfarktrisiko. Um alle
Risikofaktoren für Herzinfarkt und den Mittagsschlaf zu untersuchen, erfassten
Naska und Ko-Autoren von 1994 bis 1999 über 23.000 Griechinnen und Griechen
im Alter zwischen 20 und 86 Jahren, die ursprünglich keine Herzkrankheiten
hatten und auch sonst weitgehend gesund waren (Naska 2007). In dieser Studie konnte wiederum gezeigt
werden, dass Personen, die zeitweise einen Mittagsschlaf halten, eine um 12%
niedrigere Sterblichkeit aufgrund eines Herzinfarktes haben. Personen, die
systematisch zumindest drei Mal pro Woche mindestens eine halbe Stunde um die
Mittagszeit Siesta halten, wiesen sogar eine um 37% niedrigere Herzinfarktrate
auf. Ganz besonders machte sich die gesundheitsfördernde
Wirkung der Siesta bei berufstätigen Männern bemerkbar. Mittagsschläfer unter
ihnen waren gleich um 64 Prozent weniger gefährdet, eine Herzkrankheit zu
bekommen. Unter nicht arbeitenden Geschlechtsgenossen betrug der Unterschied
nur 36 Prozent. Aber nicht nur das Risiko für Herzinfarkt oder Herzerkrankungen
sind mit einer Siesta zu vermindern. Immer mehr Erkrankungen werden durch
Intensivierung und Verschiebung von Arbeitszeit in die späteren Abendstunden
mit konsekutiven Schlafstörungen mit verursacht. Dazu zählen z.B. Erkrankungen
des Verdauungstraktes wie Reizmagen, Reizdarm, auch funktionelle
Magen-Darm-Störungen genannt. Diese gehen mit Völlegefühl, Bauchbeschwerden,
Blähungen, Krämpfen und Stuhlunregelmäßigkeiten einher. Auch hier sind Entspannung
und Ruhephasen tagsüber, das Wiederfinden des eigenen Rhythmus und des
inneren Gleichgewichts enorm wichtig für die Normalisierung des gestörten
Verdauungsvorgangs (Moser
2007). Jegliche Entspannung, also auch eine Siesta, kann bei diesen Störungen
eine Milderung bringen. Über 1/3 aller Menschen in der Allgemeinbevölkerung
leiden an derartigen Verdauungsstörungen. Daher ist die Siesta auch für den
Verdauungstrakt ein nicht zu unterschätzender positiver Faktor und für das
Wohlbefinden einer Gesellschaft wesentlich. Zusammenfassend kann zur geplanten Verordnung des Stadtrates zur Verzögerung der
Zeit, eine verbindliche Siesta ‚Nehmen Sie sich Zeit’ im Juni 2008 in der
AugartenStadt einzuführen, festgestellt werden,
dass diese Maßnahme auch aus medizinischer Sicht sehr zu befürworten ist.
Sowohl für Herz, Blutdruck, Seele als auch für den gesamten Verdauungstrakt
konnte das regelmäßige Einhalten einer Siesta gesundheitsfördernde Wirkung
zeigen. Daher kann diese Verordnung sicherlich nur beispielgebend sein. Literatur: Kalandidi A, Tzonou A, Toupadaki N. et al. Cheng TO. Afternoon nap is good for the elderly. Arch Intern Med 2000;160:711 Trichopoulos D, Tzonou A, Christopoulos C, Havatzoglou S, Trichopoulos
A. Stang A,
Dragano N,
Poole C,
Moebus S,
Möhlenkamp
S, Schmermund
A, Siegrist J,
Erbel R,
Jöckel KHSleep. Naska A, Oikonomou E, Trichopoulou A, Psaltopoulou T, Trichopoulos D. Arch Intern Med. 2007
Feb 12;167(3):296-301 Moser G.
Psychosomatik in der Gastroenterologie und Hepatologie (Hrsg. Moser G.),
Springer Verlag 2007. Im Sinne der Freunderlwirtschaft: Univ. Prof. Dr. Gabriele Moser Leiterin der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe und der Spezialambulanz
für Psychosomatik in der Gastroenterologie am AKH, Wien www.gabrielemoser.at |