+ + +
P R O G R A M M 0 4 / 2
0 0 8 + + + P R O G R A M M 0
4 /
2 0 0 8 + + +
Aktionsradius Wien / April 2008
THE TIMES THEY ARE A-CHANGIN’
40 JAHRE 68
|
Für Fotodownload
bitte Bild anklicken. |
Ein Bob-Dylan-Song aus dem Jahr 1963 heißt:
The Times They Are A-Changin’. Heute wird er gern als Synonym für die
politischen und kulturellen Aufbrüche der 60er Jahre verwendet. Warum bleibt
„1968“ ein Thema, insbesondere an „runden Geburtstagen“? Wie emotionell
besetzt das Thema ist, zeigt das Buch „Der große Selbstbetrug“, das pünktlich
zu Beginn des Jubiläumsjahres auf dem deutschsprachigen Markt erschien und
uns endlich die ganze Wahrheit über 68 verspricht. Autor Kai Diekmann,
niemand geringerer als der Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, präsentiert
darin seine Abrechnung: 68 sei der „Epochenbruch“ der Gesellschaft „in
Richtung Egozentrik, Mittelmaß und Faulheit“. 68 sei für folgende Übel
verantwortlich: „Staatsgläubigkeit, kryptosozialistische Versorgungssysteme,
Selbsthass und Identitätsverlust“.
Die „verhängnisvollste Folge“ der 68er Rebellion aber sei, so Diekmann, „das
Aufkommen des Gutmenschen“. Mit dem Faulheits-Vorwurf zumindest liegt
Diekmann nicht so daneben. Welcher Geist sonst als jener von 68 hätte den
Stadtrat zur Verzögerung der Zeit bewegen können, in der AugartenStadt im
kommenden Juni die obligatorische Siesta einzuführen? |
|
|
|
D A S M O N A T S T H E M A /
Ü B E R S I C H T (gehe mit >> zu den jeweiligen
Detailinfos): |
|
|
Dienstag, 8. April 1968 – UND DIE FOLGEN? Podiums- und Publikumsdiskussion |
||
|
Montag 14. April DIE UNI-FERKELEI Film und Diskussion |
||
|
Dienstag, 15. April TAG FÜR TAG - DIE BOHÈME UND DER HOFER Rolf Schwendter / The Vienna Improvisers
Orchestra |
||
|
Montag, 21. April DIE SCHWABINGER KRAWALLE Film, Diskussion, Musik |
||
|
Dienstag, 22. April WELTENWENDE 1968 Jens Kastner und David Mayer über ihr
Buch |
||
|
Dienstag, 29. April IMAI KEIKO – TUSCHMALEREI Ausstellungseröffnung |
||
|
Donnerstag, 1. Mai EINE REVOLTE MIT MUSIK Liedermacher & Singer-Songwriter in
der Bunkerei |
||
|
|
V O R S C H A U M A I
2 0 0 8 / Ü B E R S I C H T (gehe mit >> zu den jeweiligen
Detailinfos): |
|
|
Vorschau Mai: PARTIZIPATIONSPARTISANEN |
||
Aktionsradius Wien / April 2008
THE TIMES THEY ARE A-CHANGIN’
40 JAHRE 68
|
D A S M O N A T S T H E M A I M
D E T A I L : |
|
|
Für Fotodownload
bitte Bild anklicken. |
1968 – UND DIE FOLGEN? Podiums- und Publikumsdiskussion Zur Freude der
Freunde stabiler und unveränderbarer Verhältnisse hat sich auch ein
ehemaliger „68er“ mit einer Distanzierung von der 68er-Bewegung, so wie er sie
heute interpretiert, zu Wort gemeldet: Götz Aly entdeckte Parallelitäten
zwischen der 68er-Bewegung und der nationalsozialistischen „Bewegung“. Der
Titel seines Buches klingt an Adolf Hitlers Werk an: „Unser Kampf 1968“. Der
Umstand, dass die ÖsterreicherInnen auch nicht verklemmter seien als die
Deutschen, obwohl die 68er-Rebellion die Alpenrepublik weit weniger
erschütterte als das damalige Westdeutschland, widerlege das Märchen vom
angeblichen Liberalisierungsschub, der von 68 ausgegangen sei, argumentiert
Aly. TeilnehmerInnen an
der österreichischen 68er-Bewegung und jüngere Semester diskutieren mit dem
Publikum, ob der „Geist von 68“, der auch in Wien manche Uni-Hörsäle und
manche Straßen, nicht ansatzweise aber die Fabriken und die großen Medien „eroberte“,
in der österreichischen Gesellschaft nachhaltige Änderungen hervorgerufen
hat. Mit Ruth Beckermann, Heide Hammer, Alfred Pfabigan, Beatrix Neundlinger
und Robert Schindel. Moderation: Walter Famler (Wespennest). Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: frei Ort: Aktionsradius Wien
| 1200 Wien, Gaußplatz 11, Tel. 332 26 94, www.aktionsradius.at |
|
Für Fotodownload
bitte Bild anklicken. |
DIE UNI-FERKELEI Film und Diskussion Die Künstler
Günther Brus, Otto Mühl, Peter Weibel, Oswald Wiener und andere laden am 7.
Juni 1968 zu einer Veranstaltung unter dem Titel "Kunst und
Revolution". Im Verlauf dieser Veranstaltung führt Günther Brus eine
Körperaktion durch. Unter anderem verletzt er sich mit einer Rasierklinge,
trinkt seinen Urin und singt die österreichische Bundeshymne, ein
„unerhörter“ Zusammenhang! Brus, Mühl und Wiener werden verhaftet und
verbringen vier Wochen in Untersuchungshaft. Bei der Gerichtsverhandlung
gegen Brus wird ihm ein Pflichtverteidiger beigestellt, weil sich kein Anwalt
findet, der diesen "Fall" übernehmen möchte. Brus wird wegen
Herabwürdigung der Staatssymbole zur Höchststrafe von sechs Monaten schwerem
Kerker verurteilt, in zweiter Instanz wird die Strafe auf fünf Monate
reduziert, zugleich aber durch Fasttage und hartes Lager verschärft. Brus
kann sich dieser Strafe durch die Flucht nach Berlin entziehen. Dort gründet
er die "Österreichische Exilregierung" mit ihrem Zentralorgan
"Die Schastrommel". Und heute? Die Beteiligten gelten längst als
Aushängeschilder der künstlerischen Avantgarde Österreichs. Hat „68“ die
Verhältnisse also doch nachhaltig verändert? Nach der Vorführung
des Films "Kunst und Revolution" von Ernst Schmidt jun., der dieses
Happening dokumentiert, moderiert Dieter Schrage eine Diskussion mit
Augenzeugen wie Peter Michael Lingens, Peter Jirak, Günther Feuerstein,
Walter Michael Pühringer u.a. Beginn: 20.00 Uhr, Eintritt: 7 Euro Ort: 3Raum Anatomietheater | 1030 Wien, Beatrixgasse 11, Info-Tel.
332 26 94, www.aktionsradius.at |
|
Für Fotodownload
bitte Bild anklicken. |
TAG FÜR TAG - DIE BOHÈME UND DER HOFER Rolf Schwendter / The Vienna
Improvisers Orchestra Das 2004 gegründete
Vienna Improvisers Orchestra (V.I.O.) versteht experimentelle Musik auch als
Ausdrucks- und Organisationsform von Gesellschaftskritik und als künstlerisches
Sprachrohr für soziopolitische Inhalte. Handzeichen als Vermittlungsmethode
musikalischer Vorstellungen bestimmen mehr oder weniger den musikalischen
Inhalt und Verlauf des tendenziell frei agierenden Ensembles. Darüber hinaus
erlauben sie dem Publikum ein Hörerlebnis mit visuellen Anhaltspunkten. Die
Handzeichen kommen von Michael Fischer: der Gründer des Orchesters arbeitet
im Bereich Neue Musik international als Instrumentalist (Saxophon, Violine,
Feedback) und Komponist. Rolf Schwendter ist Jurist, Politologe, Philosoph,
Regisseur, Liedermacher, Kochbuchautor, Gründer des Ersten Wiener
Lesetheaters und Theoretiker der Subkultur. „Folgendes sage ich mit
allergrößter Vorsicht: Es könnte wieder einmal zu einer explizit politischen
Bewegung kommen (...) Weiters prognostiziere ich ein Wiederaufleben der
Boheme, und zwar aus materiellen Gründen“. Mit solchen Positionen „gegen den
Zeitgeist“ überrascht Schwendter Freund und Feind. Er wird – vom Orchester
begleitet – Gedichte aus seinen Zyklen „Blues auf dem Weg zum Wahnsinn“ und
„Psalter“ lesen. Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 10 Euro Ort: Aktionsradius Wien
| 1200 Wien, Gaußplatz 11, Tel. 332 26 94, www.aktionsradius.at |
|
Für Fotodownload
bitte Bild anklicken. |
DIE SCHWABINGER KRAWALLE Film, Diskussion, Musik Die polizeiliche Auflösung einer völlig unpolitischen Straßenmusik-Darbietung in München im Juni 1962 war der Anlass einer mehrtägigen Jugendrebellion in der bayrischen Hauptstadt, die als "Schwabinger Krawalle" in die Geschichte der Insubordination einging. Ein völlig überzogener, brutaler Einsatz der Münchner Polizei führte zu einer Entfremdung großer Bevölkerungsteile von einer Institution, die bisher als beschützender Faktor angesehen war. Sie ruinierte das Image der Polizei: Der "Schlägerpolizist von Schwabing" wurde zu einem populären Bild. Die Schwabinger Krawalle gelten so als Vorläufer der Protestbewegung von 1968. Die Straßenmusikanten, die damals mit russischen, amerikanischen und anderen internationalen Volksliedern am Gehsteig saßen und so indirekt die Ereignisse auslösten, machen zum Teil heute noch gemeinsam Musik. Drei von ihnen, Wolfram Kunkel, Mauko Erber und Sitka Wunderlich, singen im 3RaumTheater die – ungewollt – subversiven Lieder von damals, zeigen einen 20-minütigen Dokumentarfilm zu den „Krawallen" und freuen sich auf eine Diskussion mit dem Wiener Publikum. Moderation: Hubsi Kramar. Beginn: 20.00 Uhr, Eintritt: 7 Euro Ort: 3Raum Anatomietheater | 1030 Wien, Beatrixgasse 11, Info-Tel.
332 26 94, www.aktionsradius.at |
|
Für Fotodownload
bitte Bild anklicken. |
WELTENWENDE 1968 Jens Kastner und David Mayer über ihr Buch Der Spiegel: „Herr
Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung“ ... Adorno: „Mir
nicht.“ Die Interpretation
der weltweiten Ereignisse 1968 engte den Blick in der deutschsprachigen
Zeitgeschichts- und Sozialforschung lange auf bestimmte gesellschaftliche
Gruppen und auf nationale Rahmen ein. So wurde bislang immer von
„Studentenunruhen“ oder einem „Generationenkonflikt“ (Norbert Elias)
gesprochen. Nach 40 Jahren bietet
sich die Chance für neue Deutungen. Ausgehend von Immanuel Wallersteins These
einer Weltrevolution 1968 bieten die geschichtswissenschaftlichen
Diskussionen der letzten Jahre die Gelegenheit, die Frage zu stellen: Steht
das Jahr 1968 – bzw. der Zeitraum 1965-1973 – tatsächlich für eine
Weltenwende? Unter anderem ist es ein Anliegen der beiden Autoren, den nichtstudentischen
Bewegungen – insbesondere den Kämpfen der ArbeiterInnen, die um 1968 nicht
nur in Frankreich und Italien geführt wurden, sowie der Neuen Frauenbewegung
– größere Beachtung zu schenken. Das 240 Seiten starke Buch erscheint im
April im Mandelbaum Verlag. Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: frei Ort: Aktionsradius Wien
| 1200 Wien, Gaußplatz 11, Tel. 332 26 94, www.aktionsradius.at |
|
Für Fotodownload
bitte Bild anklicken. |
IMAI KEIKO – TUSCHMALEREI Ausstellungseröffnung Auf Einladung von
Linde Waber, die schon mehrmals in Japan ausgestellt hat, ist nun Imai Keiko
in Wien: Die Malerin aus Kyoto zeigt ihre neuesten Tusch-Malereien. Doch das ist
nur eine Facette ihrer multiartistischen Orientierungen. Sie ist auch
Designerin, Fotografin und Bildhauerin – und sie ist im Vorstand eines
Instituts für Färberei und Weberei in ihrer Heimatstadt. In Japan ist sie in
jüngster Zeit übrigens durch ihre Silber-Objekte bekannt geworden. Die im
Zuge der Recycling- und Umweltforschung in Japan entwickelte
Art-Clay-Silver-Technologie ermöglichte der Künstlerin nahezu unbegrenzte
Möglichkeiten der Umsetzung ihrer Kreativität. Das Material Silber wird von
Imai Keiko auch mit Holz, Glas und Naturstein kombiniert. Eröffnen wird die
Ausstellung Linde Waber, Stadträtin für künstlerische Umtriebe und Umtrünke
der AugartenStadt und in dieser Funktion auch für den internationalen
Künstleraustausch zuständig. Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: frei Ort: Aktionsradius Wien
| 1200 Wien, Gaußplatz 11, Tel. 332 26 94, www.aktionsradius.at |
|
Für Fotodownload
bitte Bild anklicken. |
EINE REVOLTE MIT MUSIK Liedermacher & Singer-Songwriter in der Bunkerei Ein
Kooperationsprojekt von Bunkerei, Kulturverein Narrendattel, MedienManufaktur
Wien und Aktionsradius Wien. Der Soundtrack der
Revolte von 1968 waren auch in Deutschland und Österreich (wenn man in
letzterem Fall überhaupt von Revolte sprechen kann) natürlich die Töne der
Rolling Stones oder die von Woodie Guthrie. Dennoch markiert 68 auch die
Geburtsstunde der österreichischen Liedermacherbewegung. Ein langer Abend in
der Bunkerei (im Rahmen der hier positionierten Veranstaltungsreihe
„Songreiterei“) vereinigt Sängerinnen und Sänger, die – beeinflusst von den
68er-Ideen – in den 70er Jahren die außerparlamentarischen Bewegungen
Österreichs begleiteten, sowie die jüngere Generation von Musikern, solo oder
mit Bandbegleitung, die mit den „Veteranen“ zumindest die Unzufriedenheit mit
den gesellschaftlichen Verhältnissen teilen. Livemusik: Reinhard
Sellner, Richard Weihs, Katrin Navessi, Andreas Julius Fasching, Erich
Demmer, Ramona Gillard, 9dlinger und die geringfügig Beschäftigten (Trio),
Tini Trampler & Die Dreckige Combo. Moderation: Rainer Krispel /
Augustin. Rahmenprogramm:
Dokumentarfilme zur Arena-Besetzung u.a. Die „älteren
Semester“ im Publikum werden zu einer Erinnerungsaufgabe gebeten: Sie können
die ihrer Meinung nach originellste politische Parole der 68er Bewegung
abgeben. Der Spender der von einer Jury gewählten Sieger-Parole erhält
viermal zwei Eintrittskarten für Songreiterei-Konzerte im Mai. Zeit: 18.00-23.00 Uhr, Abendkassa &
Einlass: 17.00 Uhr, freie Platzwahl, fallweise Stehplätze. Eintritt: 15 Euro Abendkasse
(Ö1-Club-Ermäßigung), 13 Euro Vorverkauf, in allen BA-CA-Filialen und in der
Bunkerei; für Jugendliche bei wienXtra / Jugendinfo Ort: Bunkerei | 1020 Wien, Augarten / Eingang Obere
Augartenstraße 1a Infos: info@bunkerei.at, www.bunkerei.at,
www.aktionsradius.at Infos / Musik:
charlie.bader@medienmanufaktur.com |
|
V O R S C H A U M A I 2 0 0 8 : |
|
|
|
PARTIZIPATIONSPARTISANEN PartizipationspartisanInnen
sind engagierte ZeitgenossInnen, die Angelegenheiten der Stadtentwicklung,
weil sie BewohnerInnen und BenützerInnen dieser Stadt sind, selbst in die
Hand nehmen und auch dann handlungsfähig bleiben, wenn wegen des
vermeintlichen „Sachzwangs“ jedes Handeln „von unten“ als illusorisch erscheint. Sie warten
nicht, bis sie zur „BürgerInnenbeteiligung“ eingeladen werden, sondern sie
setzen ihr Beteiligungsrecht voraus. Die Veranstaltungsreihe wendet sich
zunächst dem „Sachzwang“ zu. Stadtplanung und Baupolitik werden – im
neoliberalen Glanz von Tüchtigkeit und Unternehmergeist – immer mehr von
einseitigen Wirtschaftsinteressen unter Druck gesetzt, sodass auch
vernünftige Planungsansätze sich in ihr Gegenteil verwandeln können. Diese
Diagnose von Reinhard Seiß („Wer baut Wien?“) sei nicht zu widerlegen, meint
Architekt und Autor Friedrich Achleitner. Man sollte zum Wohl der Stadt die
Diskussion mit Seiß aufnehmen, schlägt er vor. Unser Programm sieht
„Flanerien“ mit Reinhard Seiß durch Viertel der Stadt vor, die von einseitig
durchgesetzten Investoren-Interessen gezeichnet sind, und versucht in einem
Symposion die Möglichkeiten alternativer Stadtentwicklung und im Speziellen
die Chancen und Grenzen partizipativer und demokratischer Modelle der
Grätzelentwicklung und der Aneignung
formal öffentlicher Parkanlagen zu erkunden. PartizipationspartisanInnen
stellen ihre Projekte vor und stecken ihre Köpfe zusammen, um Möglichkeiten
der Vernetzung zu beraten. |